Andacht Juli 2022: Vom Sommer

Wenn ich zurzeit meinen Blick in die Landschaft schweifen lasse, sehe ich eine Menge Grün. Die Bäume auf den bewaldeten Hängen und Hügelkuppen sind dicht belaubt und mit einer ganzen Palette von Grüntönen getränkt. Die sonst so von grauem Schiefer und knorrigen Weinstöcken geprägten Weinberge des Mosel und des Ruwertals sind von einem saftigen Grün überzogen. Kleine Flüsslein wie die Kyll oder die Ruwer plätschern durch grüne Täler. Vorbei an saftigen Wiesen, auf denen Kühe und andere Tiere die erfrischende Kühle des Wassers suchen. Zwischen begrünten Baumspalieren hindurch. Die Blätter der Obstbäume rascheln sachte im Wind. Zwischen ihnen zeichnen sich die ersten Ansätze von Äpfeln, Kirschen und Konsorten ab. Unaufgeregtes, aber vor Kraft strotzendes Leben. Das ist der Sommer.

Während die Schöpfung im Frühling aufbricht – knospend, blühend, quirlig, aufgedreht, frühlingserwachend – ruht sie für mein Empfinden im Sommer eher in sich selbst. Voller Kraft, aber unaufgeregt. Man könnte sagen: gesetzt. Sie muss es niemandem beweisen. Die Schöpfung breitet grüne Wiesen aus, wie Decken bei einem Picknick im Grünen. Sie spannt grüne Dächer auf. Wie Sonnenschirme auf einer Sommerterrasse eines Restaurants. Hier ist Platz für Sommerleben.

Ich muss an Psalm 104 denken, einen meiner Lieblingspsalmen. Hier wird mit Worten ein Bild gemalt. Ein Bild von der Schöpfung, wie Gott sie wunderbar gemacht und geordnet hat. Sie immer noch macht und ordnet. Tiere sind auf diesem Bild zu sehen: Wildesel und Störche, um nur zwei Beispiele zu nennen. Und Menschen sind zu sehen. Menschen, die am Brot satt werden. Sich am Wein erfreuen. Sich schön machen. Obstbäume sind zu sehen. Und Flüsschen. Und Weinberge. An einer Stelle heißt es: Die Bäume des HERRN stehen voll im Saft, die Zedern des Libanon, die er gepflanzt hat.

Das ist der Sommer.



Vikar
Fynn Harden-Süsterhenn